Vom Frischling zum kölschen Charakter

„Improvisation ist die Kunst, etwas Unbeabsichtigtes gut vorzubereiten.“, sagte einst Willy Millowitsch. Doch was hat das mit uns zu tun? Jedes Jahr starten wir mit einem Probetraining, bei dem sich unterschiedliche Persönlichkeiten vorstellen, die ein Kölsches Original verkörpern möchten. Nach zwei intensiven Einheiten starten besonders interessante und kecke KandidatInnen, bei uns liebevoll Frischlinge genannt, in das Trainingsjahr für die kommende Session.

Neben ersten Grundlagen der Ballettschule, konditioneller Forderung und ungewöhnlichen Tanzschritten beginnt die Verwandlung in einen kölschen Charakter aus dem 18. und 19. Jahrhundert, eine Person aus altem Liedgut oder eine Figur, die dem Hänneschen-Theater entstammt. Nach der Kostümanprobe werden die verschiedenen Rollen vergeben. Bei einem weiteren Treffen werden individuelle Frisuren und Schminke getestet und festgelegt. Nun beginnt die spannende Zeit sich mit der eigenen Rolle auseinanderzusetzen und in diese hineinzuwachsen.

Das war’s? Nein, nicht bei uns! Jetzt lernen die Frischlinge auch alle anderen Originale und Freunde des Vereins kennen. Wenn Tünnes und Schäl, Bestemo und Besteva, Schmitze Billa oder Böckderöck Wau-Wau erst einmal ins Schwärmen kommen, kann eine Vorstellungsrunde mitunter schon mal etwas länger dauern.

In den kommenden Wochen geht die Verwandlung und das Einfinden in ihre Rollen für unsere Frischlinge weiter. Hierbei liegt neben den tänzerischen Kompetenzen auch ein großer Fokus auf schauspielerischen Elementen. Durch die individuelle Verkörperung jeder einzelnen Rolle werden die Charaktere zum Leben erweckt. Neben dem gemeinsamen Training mit aufwändigen Choreographien und Hebungen, steht somit auch ein Schauspielkurs auf dem Programm. Denn nur durch eine gute Vorbereitung können wir auf der Bühne, ganz wie Willy Millowitsch sagte, die scheinbar unbeabsichtigten Reaktionen und Handlungen der einzelnen Rollen gut und realistisch aussehen lassen.

Kommentare sind geschlossen.